Sammlung Prof. Rafał (Rafael) Schermann
Sammlung von Prof. Rafał (Rafael) Schermann (1879–1945), bestehend aus etwa 400 katalogisierten Gemälden, 350 Uhren, 300 Glocken, 100 Schnupftabakdosen, numismatischen und archäologischen Objekten sowie Möbeln, Teppichen, Glas und Silberwaren. Laut einem Brief von Zofia Schermann (Krakau, 7. Januar 1947) umfasste die Kunstsammlung Originalwerke von Rembrandt, Velázquez, David Teniers und Jan van Eyck sowie Gemälde und Zeichnungen mitteleuropäischer Künstler wie Józef Mehoffer, Jacek Malczewski, Wojciech Weiss, Ferdynand Ruszczyc und Jan Rosen. Die Werke stellten Porträts, Allegorien und symbolistische Motive dar, die für die Wiener und Krakauer Secessionskreise des frühen 20. Jahrhunderts typisch waren. Die Sammlung umfasste auch zahlreiche Gegenstände der dekorativen Kunst und ein umfangreiches graphologisches Archiv mit Tausenden von Handschriftanalysen und Gutachten, die Schermann im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit erstellt hatte.










Laut der Aussage von Zofia Schermann (Bezirkskommission zur Untersuchung deutscher Verbrechen in Polen, Akte IPN Gk 196/50) wurden die Wohnung und ihr Inhalt Ende 1939 auf Befehl von Ludwig Leist, dem deutschen Bezirkskommissar von Warschau, durch dessen Untergebene, darunter Lt. Lutenberg-Laturski, geplündert, der mehrere Monate lang die Entfernung der Kunstwerke und Einrichtungsgegenstände beaufsichtigte. Zeugen beschrieben die Beschlagnahmung als systematisch und umfangreich, unter Beteiligung von Gutachtern und dem Transport der Kunstwerke zu Leists Büros und Wohnsitz.
Nach dem Krieg versuchte Zofia Schermann (Rosenstrauch), die Sammlung über die polnischen Behörden aufzuspüren, und sagte in den Nachkriegsverfahren gegen Ludwig Fischer und Ludwig Leist in Warschau aus. Der vorliegende Sammeleintrag basiert auf ihren Unterlagen und Fotos der Krakauer Wohnung, die in diesen Verfahrensunterlagen aufbewahrt werden, sowie auf den laufenden Recherchen der Familie Schermann.